Ebow

Ebow

Rapperin, Labelboss, Schauspielerin und jetzt auch noch Produzentin: Wenig gibt es, was Ebow aka Ebru Düzgün nicht kann. Und da hat man erst nur an der Oberfläche gekratzt. Geboren und aufgewachsen ist Ebow 1990 in München, als Tochter des Matriarchats wuchs sie mit ihrer Mutter, Tanten und Großmutter im Münchner Westend auf. Politik war immer Teil ihrer Geschichte: Ihre Mutter war politisch aktiv, lief als Vorsitzende der alevitischen Gemeinde vorne bei Demonstrationen mit, hielt öffentlich Reden. Politik war nie etwas, was für sie weit weg war – sondern immer dabei.

Und so lässt sich auch Ebows Arbeit als Künstlerin begreifen, ihre Texte, ihre Themen, ihre Herangehensweise an das Business. Wo Ebow draufsteht, ist immer Tiefgang drin, politische Debatte und gesellschaftliche Diskurse. Das war so bei ihrem selbstbetitelten Debüt von 2013, das beim Münchner Elektrolabel Disko B erschien, und zieht sich durch ihre Karriere, ob nun mit dem Nachfolger „Komplexität“ (2017), ihrem Durchbruchshit und-album „K4L“ von 2019, dem Widersprüche umarmenden „Canê“ (2022), das queer Love feiernde „FC Chaya“ (2024) und das zutiefst persönliche neueste Werk in dieser Reihe, „Typologie eines Lebens“ (2026), dessen Titelvielleicht, womöglich ein bisschen inspiriert ist von Praktiken, die sie aus ihrem Studium der Architektur kennt.

Stilistisch geht Ebow immer ihren eigenen Weg, mischte am Anfang ihrer Karriere Elektrobeats mit hartem Rap und gesellschaftskritischen Texten, wofür sie etwa von der TAZ mit M.I.A. auf der Höhe ihres Erfolgs verglichen wurde. Mit jedem Album schafft Ebow eine eigene Soundwelt und Ästhetik, ein immersives Erlebnis, in das man als Hörer:in abtauchen und mit dem man sich identifizieren kann–nicht ohne Grund waren Ebows „FC Chaya“-Trikots zum letzten Album so heiß begehrt, dass sie mehrmals ausverkauft waren und nachgedruckt wurden. 

Inspiriert von US-amerikanischem Rap und R’n’B der 1990er und 2000er fing Ebow früh an, auch selbst Texte zu schreiben und zu performen, schrieb Songs für einen Dokumentarfilm über Lebenswege migrantischer Frauen und trat mit Anfang 20, lange vor der Veröffentlichung ihres Debütalbums, bei Festivals in München und darüber hinaus auf. 2016 gründete sie mit Sängerin Nalan und Produzent Walterp99arkestra das Trio „Gaddafi Gals“, auf das sogar die altehrwürdige New York Times aufmerksam wurde, die deutschsprachige Presse war sowieso Fan. Weitere Dokumentarfilme sollten folgen, etwa „Leiden-schafft“ über Hip-Hop und Identität von 2015 oder der Überraschungserfolg „Aşk, Mark ve Ölüm–Liebe, D-Mark und Tod“ von Cem Kaya aus 2022. Als Schauspielerin trat Ebow erstmals 2022 in Helene Hegemanns Serie „Strafe“ auf–und wurde prompt 2023 mit dem „New Faces Award“ ausgezeichnet und als Nachwuchsschauspielerin für den Deutschen Schauspielpreis nominiert.

Aber auch als Musikerin wurde Ebow mehrfach ausgezeichnet, etwa als bester Act des VUT IndieAward (2020) oder des Keychange Award (2023). 2023 war sie auch Stipendiatin der Künstlerresidenz Villa Aurora in Los Angeles und 2024 Stipendiatin der Kulturakademie Tarabya in Istanbul. Feuilleton und Straße, Hochkultur und Rap: Für Ebow sind das alles keine leeren Worte und genauso wenig Gegensätze, sondern ineinander verwobene Seiten ihres Arbeit als Künstlerin. Immer mit Substanz–und mit mindestens genauso viel Lebensfreude. Deutschland kann froh sein, eine Stimme wie Ebow zu haben. Und sollte ihr noch viel öfter zuhören.

Bild: Johanna Legid

13.11.

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