Peter Wawerzinek (* 28. September 1954 in Rostock)[1] ist ein deutscher Schriftsteller. Der Name „Wawerzinek“ leitet sich vom polnischen Wort 'wawrzynek' (Seidelbast) ab, einer Pflanze, die zur Papierherstellung verwendet wurde und aus der Wawerzinek seinen Bezug zum Medium Literatur ableitet.[2]
Nach dem Schulbesuch absolvierte Wawerzinek eine Lehre als Textilzeichner. 1978 zog er nach Ost-Berlin. Dort begann er ein Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, das er jedoch nach zwei Jahren abbrach. Anschließend jobbte er in verschiedenen Berufen, unter anderem als Briefträger und Kellner bei der Mitropa. In den Achtzigerjahren war er als Performance-Künstler und Stegreif-Poet aktiv und in der Literaturszene am Berlin-Prenzlauer Berg bekannt. Von 1988 bis 1990 unternahm er gemeinsam mit Matthias Baader Holst eine Tournee durch die DDR.[5] Er ist seit 1998 Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland und Mitgründer des PEN Berlin.[6] Nach der Wende veröffentlichte er als erstes eine Sammlung von Parodien zur DDR-Literatur, danach skurrile, experimentelle Prosatexte über einen Außenseiter der DDR-Gesellschaft. Die Werke Wawerzineks sind stark autobiografisch geprägt und oft Mecklenburg-Vorpommern zum Thema. Wawerzinek schreibt auch Hörspiele und journalistische Texte.
Sein Durchbruch gelang Wawerzinek mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis 2010 für seinen damals noch unveröffentlichten Roman Rabenliebe. Seine Alkoholsucht, die er ab 2003 therapeutisch bekämpfte, verarbeitete Wawerzinek in seinem Roman Schluckspecht (2014). Beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2015 hielt der Autor die Eröffnungsrede und bezeichnete Klagenfurt als seine „literarische Geburtsstadt“.
Wawerzinek war 2011 fünf Monate lang Stadtschreiber in Klagenfurt, 2012 Stadtschreiber in Jena, 2015 Magdeburger Stadtschreiber und ab Juni 2016 für ein halbes Jahr der Dresdner Stadtschreiber.
Preise und Auszeichnungen
Wawerzinek erhielt 1991 das Bertelsmann-Stipendium beim Ingeborg-Bachmann-Preis und den Deutschen Kritikerpreis für Literatur, 1993 ein Stipendium des Deutschen Literaturfonds sowie den Hörspielpreis der Akademie der Künste (Berlin) für Nix. Er war außerdem Stipendiat des Heinrich-Böll-Hauses in Langenbroich (Eifel) und erhielt 2003 und 2021 das Alfred-Döblin-Stipendium der Berliner Akademie der Künste in Wewelsfleth. Mit dem Text Kleines Seebeben gewann er im Jahr 2007 den „wolfgang see literatur Wettbewerb“ und war drei Monate lang „Seeschreiber“ des Wolfgangsees. Der Roman Rabenliebe gelangte auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises.
Für 2019/2020 wurde ihm ein Literaturstipendium in der Villa Massimo in Rom zuerkannt. 2024 wurde Wawerzinek mit der Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung ausgezeichnet. Sein Roman Rom sehen und nicht sterben steht 2025 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.
Printausgaben
Es war einmal … – Parodien zur DDR-Literatur, Berlin 1990
Nix, Roman, Berlin 1990
Die 6. Tonnenleerung, Berlin 1990
Moppel Schappiks Tätowierungen, Berlin 1991
Das Kind, das ich war, Transit Buchverlag, Berlin 1994
Mein Babylon, Transit Buchverlag, Berlin 1995
Fallada ich zucke, Berlin 1996 ( mit Klaus Zylla)
Vielleicht kommt Peter noch vorbei, Leipzig 1997
Café Komplott, Transit Buchverlag, Berlin 1998
Oliv ist Arsen oder Pekinger Wüsteneien, Berlin 1998 (mit Klaus Bendler)
Skorbut, Augsburg 1998 (mit Moritz Götze)
Der Galionsfigurenschnitzer, Berlin 2000 (mit Tim von Veh)
Das Meer an sich ist weniger, Prosa, Transit Buchverlag, Berlin 2000
Der Krieg ist doch verloren?, Rheinbach 2001 (mit Bodo Korsig)
Sperrzone reines Deutschland. Szenen einer Sommerreise, Transit Buchverlag, Berlin 2001
Mein Salzkammergut. Von Seereisen und Seefahrten, Essays, Wien, St. Wolfgang 2008
Das Desinteresse, Hasenverlag, Halle 2010
Rabenliebe, Galiani, Berlin 2010 / Hörbuch, Argon Hörbuch, Berlin 2011
Parodien. Wawerzineks Raubzüge durch die deutsche Literatur. Galiani, Berlin 2011
Crashkurs Klagenfurt. Poesie und Propaganda (mit Karsten Krampitz), Edition Meerauge, Klagenfurt 2012
Schluckspecht. Galiani, Berlin 2014
Ich Dylan Ich. Verlag Wortreich 2015
Rede zur Literatur, Eröffnung des Ingeborg-Bachmann-Preises 2015
Das auffallend unauffällige Leben der Haushälterin Hannelore Keyn in der Villa Grassimo zu Wewelsfleth. Geistergeschichten (mit Thilo Bock). Verbrecher Verlag Bin ein Schreiberling. Transit Buchverlag 2017
Rausch. Bernstein-Verlag 2018 (mit Sven Heuchert und M.A. Littler)
Geisterfahrt durch Südschweden. Edition Outbird, Gera 2019
Liebestölpel. Verlag Galiani Berlin, Köln 2019
Streich, der Achim. Verlag Voland & Quist GmbH, Berlin und Dresden 2025
Letzte Buchung, Gedichte bei Urs Engeler / roughbooks 062, 2025
RedeEder – verlagshaus hernals | wien, 2025
Rom sehen und nicht sterben, Penguin 2025
Hörspiele
1993 Nix, Regie: Barbara Schäfer, Produktion: SFB/DS-Kultur (Hörspielpreis der Akademie der Künste 1993, Hörspiel des Monats März 1993)
1998 Fallada, ich zucke, Regie: Wolfgang Rindfleisch, Produktion: SFB-ORB
2000 Das Meer an sich ist weniger - Ein musikalischer Bilderbogen, Regie: Wolfgang Rindfleisch, Produktion: DLF
2006: Dylan Thomas: Unter dem Milchwald (Zweiter Ertrunkener) - Bearbeitung und Regie: Götz Fritsch (Original-Hörspiel - MDR)
2008 Café Komplott, Regie: Wolfgang Rindfleisch, Produktion: DLF